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Aufschlußreicher Vortrag von Dr. Till Neugebauer am 28.04.14 über die medizinische Versorgung

Kommunalpolitik

Die Kandidaten mit Dr. Till Neugebauer (3.v.r.) und dem Gastgeber Martin Blanc (ganz rechts)

Am Mo., 28.04. referierte Dr. Till Neugebauer, Hausarzt in Maulbronn, Aufsichtsrat der Enzkreis-Kliniken und Vorstand der Notfallpraxis Mühlacker in Knittlingen über die Situation der medizinischen Versorgung in unserer Region.
Dr. Till Neugebauer zeichnete in seiner Präsentation ein zweischneidiges Bild zur Situation der ärztlichen Versorgung im östlichen Enzkreis.

Mit den Enzkreis-Kliniken, die als Teil einer Holding der Kreise Karlsruhe, Ludwigsburg und dem Enzkreis öffentlich gemanagt werden, ist die Region gut aufgestellt. Besorgniserregend ist allerdings das jährliche Defizit von rund 8 Mio. €, die der Kreis für seine Krankenhäuser aufzubringen hat. Das sind immerhin ca. 40 €/Einw. die von den Kommunen über die Kreisumlage finanziert werden. Auf Dauer wird dies nicht tragbar sein, daher laufen derzeit verschiedene Maßnahmen, die die Kliniken in den nächsten 3 Jahren auf eine gesunde wirtschaftliche Basis stellen sollen.
Im zweiten Teil seiner Ausführungen beleuchtete Dr. Till Neugebauer die Situation der niedergelassenen Ärzte im östlichen Enzkreis. Den Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung zufolge, ist der Enzkreis im Hinblick auf Hausärzte und die meisten Fachärzte überversorgt. Im Vergleich zu den Vorgaben hat der Enzkreis beispielsweise 140% Gynäkologen. Dennoch sind auch die Zukunftsperspektiven in diesem Bereich nicht rosig. In Baden-Württemberg ist mittlerweile jeder dritte Hausarzt über 60 Jahre alt. Im Enzkreis sind es immerhin noch 20%. Nachfolger sind keine in Sicht - aus mehreren Gründen. Zum einen werden die Praxen, wenn sie geschlossen werden, nicht neu vergeben - aufgrund der genannten Überversorgung. Zum anderen, weil junge Ärzte kein Interesse mehr daran haben, eine eigene Praxis auf dem Land zu eröffnen. Dies geht auch darauf zurück, dass inzwischen 2/3 der Medizinstudenten weiblich sind. Sie haben am Ende ihres Studiums nach wie vor schlechtere Möglichkeiten eine eigene Praxis zu eröffnen.
Dennoch setzt Dr. Till Neugebauer hier den Hebel an: Bei Studenten und Assistenzärzten für die Arbeit auf dem Land zu werben hält er für wichtig. Die Argumente dafür muss die Kommunalpolitik liefern - mit einem attraktiven Umfeld. Gute Betreuungsmöglichkeiten für die Arztfamilie, eine intakte Umwelt und eine gute Infrastruktur mit Raumangebot und einfachen Wegen der Patienten zum Arzt bilden die Grundlage für die Ansiedlung von Ärzten auf dem Land.
Dr. Till Neugebauer sprach sich abschließend noch für eine stärkere Zusammenarbeit aller im Gesundheitswesen aus - den Ärzten, den Pflegekräften wie auch den Kliniken. In dezentral vernetzten Strukturen sieht er die Zukunft der medizinischen Versorgung auf dem Land.
Im Anschluss an den Vortrag wurden die Situationen in den einzelnen Ortschaften diskutiert. Der Abend klang bei Viertele und Brezeln in lockerer Runde aus.